Die heutigen Nachrichten aus Griechenland machen mich wütend! Drei Menschen sterben, weil gewaltbereite Demonstranten Molotowcocktails in eine Bankfiliale werfen. Eine der Toten war anscheinend schwanger. So etwas macht mich rasend. Sinnlose Gewalt, angestaute Wut, welche sich Luft verschafft auf eine Art und Weise, dass andere Menschen dafür sterben müssen. Ich könnte bei so etwas aus der Haut fahren.
Und die Gewerkschaften machen mit ihren Demonstrationen einfach weiter, ignorieren diese Nachricht, sehen die Schuldigen nur auf der Seite der Politiker.
Aber versucht die Athener Regierung nicht gerade mit dem harten Sparkurs ihr Land zu retten? Es am tiefen Abgrund vorbeizumanövrieren? Die Sparmaßnahmen sind sicher grausam, aber was ist die Alternative? Und vor allem wer hat Schuld? Angestellte einer Bankfiliale, die in den Flammen sterben? Die aktuelle Regierung, weil sie die Wahrheit gesagt hat und jetzt versucht mit mutigen, unpopulären Maßnahmen das Land zu retten? Oder sind es nicht vielmehr die Griechen an sich. Jeder einzelne, gerade vielleicht jene, welche jetzt demonstrieren. Sie haben sich an den durch die EU finanzierten Wohlstand gewöhnt, vielleicht darauf ausgeruht, aber garantiert nichts unternommen, um ihre Scheinwelt frühzeitiger zu hinterfragen.
Am liebsten wäre es mir, wenn Griechenland Insolvenz anmelden würde, wenn Deutschland nicht Milliarden nach Griechenland pumpen würde. Allein, dass die Verweigerung von Hilfe noch schlimmere Folgen hätte, überzeugt mich, dass die Hilfen nötig sind. Aber was dann. Was ist mit Portugal, Spanien, Italien, Irland. Diese Länder hängen mit drin in der Eurozone und damit wir an ihnen. Und was ist eigentlich mit Großbritannien, Japan, den USA usw. Es sind viele Staaten, welche über ihre Verhältnisse leben, welche selbst in konjunkturellen Hochzeiten noch Schulden machen, anstatt Schulden abzubauen. Und hier ist das Problem: Es ist nicht populär zu Sparen und Schulden abzubauen. Weil dies Steuererhöhungen oder Einsparungen zur Folge hat. Und damit sind wir am Grundproblem von Demokratie angelangt. Demokratie basiert darauf, dass das was die Mehrheit will, wohl das Beste für das Volk, das Land, die Bürger ist. Aber dadurch ist es fast unmöglich unpopuläre Entscheidungen gegen die Mehrheit durchzubringen. Es gelingt kaum einem Politiker dem Volk zu erklären, dass immer neue Schulden machen keine Lösung ist, dass man auch mal die Zähne zusammenbeißen muss. Und weil dies nicht gelingt, kein Politiker aber nicht nur eine Legislaturperiode regieren möchte, drücken diese sich vor unpopulären Entscheidungen. Und machen lieber neue Schulden.
Ich denke daraus lassen sich drei Schlussfolgerungen ziehen:
1. Wir brauchen ein aufgeklärteres Volk, dass besser versteht, was für sein Land gut ist, und unpopuläre Entscheidungen zu populären macht, weil es die richtigen Entscheidungen sind.
2. Wir brauchen Politiker, deren oberstes Ziel es ist, nicht so lange wie möglich an der Macht zu bleiben, sondern die besten Entscheidungen zu treffen, Veränderungen und Reformen durchzubringen, auch wenn das nicht so verständige Volk sie dafür abwählt. Mir wäre eine Regierung, welche versucht in 4 Jahren das Beste für das Land, auch gegen den Willen des eigenen Volkes, herauszuholen, lieber, als eine, welche nur möglichst lange “gestalten” will. Ich bin überzeugt davon, dass im Rückblick 4 Jahre mit richtungsweisenden Entscheidungen besser beurteilt werden, als 4 Legislaturperioden, welche niemandem wehgetan haben, in denen sich aber auch nichts zum besseren verändert hat.
Und 3. Wir müssen an unserer Regierungsform arbeiten. Ich halte Demokratie noch immer sicherlich nichtt für die beste, aber für die momentan vernünftigste Regierungsform. Ja es ist wirklich wohl das beste was wir haben, und auf was wir stolz sein können. Aber dieses große Manko der Populismusanfälligkeit muss angegangen werden. Durch die zwei ersten Punkte vielleicht am ehesten.
Und nochmal zu Griechenland: Unpopuläre, aber richtige Entscheidungen können ein Volk anscheinend so entfesseln, dass Unschuldige sterben müssen.
Was für Abgründe sind das in uns Menschen, welche unsere Angst um uns selbst, um unseren Wohlstand, welche unsere Feindbilder so groß werden lassen, dass wir nicht davor zurückschrecken, andere unschuldige Menschen zu gefähren, zu töten, zu ermorden?
Wer kann uns helfen, vor uns selbst schützen?